Das "Timbales" im Stuttgarter Osten
Nicht etwa voller Geigen hängt hier der Himmel, vielmehr die Decke über der Zapfanlage voller Drums. Und auf der Zwei-Quadratmeter-Bühne stehen Congas und Bongos, an der Wand sind zwei Dutzend weiterer Instrumente aus aller Herren Länder angebracht. Viele von ihnen werden gebraucht, wenn hier samstags die Live-Musik abgeht; aber auch an anderen Tagen treten manche von ihnen in Aktion: Sofern der Chef die richtige Laune hat, legt er eine CD auf - nicht selten Santana - , begibt sich zu seinem selbstentwickelten Schlagzeug (einschließlich gestimmter Schnapsflaschen und Pfannen) und interpretiert den Trommelpart begeisternd auf seine ganz persönliche, großartige Weise.
Überhaupt der Wirt: Ali Osman heißt er, aber die per Handschlag begrüßten Stammgäste nennen ihn Alex; der türkischstämmige Grieche (ja, das gibt`s) lebt seit über 30 Jahren in Deutschland und betreibt eine Taverne mit spanischem Namen und reizvoll zusammengestellter mediterraner Küche. Aber all die nationalen Zuordnungen sind ihm zuwider, Musiker sei er und Weltbürger. Dort, wo der Stuttgarter Osten am östlichsten ist (sozial, nicht geografisch), in der Stöckachgegend, nur einen Steinwurf von der viel befahrenen Cannstatter Straße entfernt, führt er, unterstützt von der Familie, sein Lokal: eine steinalte, winzige, holzvertäfelte "Boiz", der Alex seine ureigene Handschrift aufgeprägt hat.
Bei den äußerst moderaten Preisen fragt sich übrigens der unbefangene Gast, wie der Wirt damit bloß raus kommen mag.
Mit einem Wort: ein hoch origineller Geheimtipp, den noch nicht einmal die kulinarisch-kulturellen Spürnasen vom nahen SWR richtig entdeckt haben.
Von Ulrich Gohl
Infos unter www.timbales.de


