Andreas Kurrle - ein Nachruf
Andreas Kurrle ist tot, unfassbar und unbegreiflich für uns alle. Am 19. Januar ist er morgens nicht mehr aufgewacht. Sein Tod, kurz vor seinem 49. Geburtstag, wie aus heiterem Himmel, reißt eine Lücke. Meine Anteilnahme gilt seiner Frau und den Kindern, der Familie, dem Collegium Wirtemberg.
Andreas Kurrle, mitten aus dem Leben gerissen, hatte noch so viel vor. Jahrelang der Kopf und der Stratege der Weingärtnergenossenschaft Uhlbach, wollte er nach dem gelungenen Zusammenschluss mit der Weingärtnergenossenschaft Rotenberg unter der Leitung seines Bruders, Martin Kurrle, zum Collegium Wirtenberg kontinuierlich die Qualität weiter ausbauen, beim Weinanbau, beim Ausbau, bei der Vermarktung. Andreas Kurrle wollte nur das Beste und seine Begeisterung für den Wein, für die traditionsreichen Lagen wie Schlossberg oder Götzenberg war ansteckend. Weinproben, die er veranstaltete waren ein Genuss, nicht nur für den Gaumen. Wie kein anderer verstand er, sein Wissen über den Wein mit einem Gang durch die Geschichte, einem Schwenk in die Literatur zu verbinden. Und dies auf eine unnachahmliche schwäbisch-charmante, augenzwinkernde, humorvolle Weise.
Andreas Kurrle war tief verwurzelt mit Uhlbach und dem Rotenberg, aber er liebte auch das Reisen, vor allem nach Frankreich. Zurück von seinen Reisen verknüpfte er die bewusste Pflege von Traditionen und heimischen Rebsorten mit neuen Ideen und Entwicklungen im Weinbau aus anderen Regionen. Mit diebischen Vergnügen konnte er die Geschichte erzählen, wie die Chardonneytrauben nach Uhlbach kamen und Wege gefunden wurden, der zuständigen Genehmigungsbehörde und dem zuständigen Minister eine Art "Duldung für den Anbau" abzuringen.
Andreas Kurrle war ein wahrhaft politischer Mensch, der sich darauf verstand mit Leidenschaft wie mit Augenmaß dicke Bretter zu bohren, auch ohne ein politisches Mandat im Gemeinderat. Mit vielen guten Argumenten und großem Engagement setzte er sich für die Weinbauregion Stuttgart ein. Weg vom verstaubten Image des Vierteleschlotzers zwischen Wald und Reben hin zu einer Region mit Premiumqualität. Die Stuttgarter SPD wollte ihn 2009 gerne für ein Mandat im Gemeinderat gewinnen, aber die beruflichen Belastungen ließen dies nicht zu. Auf seinen Rat und sein Engagement für die SPD, im politische Alltag wie in den Wahlkämpfen - vor allem im OB Wahlkampf 2004 und bei den Bundestagswahlen - konnten wir uns immer verlassen.
Der Tod von Andreas Kurrle reißt eine Lücke. Wir haben einen Genossen und Freund verloren. Seine Ideale, das Beste zu wollen, sich neuen Entwicklungen nicht zu verschließen, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden und vor allem füreinander einzustehen, sind uns Mahnung und Verpflichtung.
Zur Erinnerung:
Die Bilder sind im Sommer 2009 bei einem Arbeitseinsatz im Weinberg entstanden.


